Ein Tag in alle Ewigkeit

Anfang 2012 erschien «im Netz» ein Aufruf an alle Fotografen weltweit, ihr persönliches Umfeld am 5. Mai 2012 zu dokumentieren. Da an diesem Tag der Künstler und Musiker Bob Rutman seinen 81. Geburtstag mit einem Konzert Kunsthaus Bethanien gefeiert hat, habe ich die Bilder von diesem Ereignis eingereicht.  Zusammen mit allen anderen weltweit an diesem Tag aufgenommenen wurden sie 2013 in einer schwedischen Kupfermine eingelagert.

Nachdem das also schon mal für die Ewigkeit sichergestellt ist, wurde allerdings die Web-Domain des Ausrichters der Fotoaktion (aday.org) im Jahr 2017 zu einem Portal für Online-Kasinos, so wie es vor 2011 dort eine Jobbörse gab – soviel zur Ewigkeit des Internets. Vielen Dank an die Wayback Machine, ohne  die ich doch ziemlich ratlos gekuckt hätte.

Bob Rutman an seinem 81. Geburtstag am 5. Mai 2012 im Kunsthaus Bethanien

Warum fotografieren?

Warum fotografieren? Warum nicht etwas anderes machen: malen beispielsweise? Warum fotografieren, wenn es keinen Auftraggeber und keinen Abnehmer für die Bilder gibt? Warum fotografieren, wenn anscheinend doch schon alles fotografiert ist? Wenn eine Bilddatenbank damit wirbt, dass sie 10 000 neue Bilder hat – und zwar täglich – das Stück zu 21 Cent? „Warum fotografieren?“ weiterlesen

Ausstellung «Asphalt» und «Desiderata» bei 25books

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Ausstellung zur Buchpräsentation der letzten zwei «Desiterata»-Hefte «Asphalt» und «Desiterata» bei 25books, Juni/Juli 2011.

Ausstellung «Technik» und «Mercedes» bei 25books

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Ausstellung zur Buchpräsentation der «Desiterata»-Hefte 3 und 4: «Technik» und «Mercedes» bei 25books, Februar/März 2011.

Rezension «Technik» in «Photonews»

Andreas Trogisch: Wunder der Technik

Wenn Fotografie für das Erlebte, das Gesehene wie ein Resonanzboden fungiert und sich aus visuellen Reimen in eine Art fotografischer Lyrik verdichtet, dann kommt man bei der Rezension schnell zu Parallelen mit dem Jazz. Auch hier spielen Zwischentöne, harmonische Disharmonien oder das Gefühl der tonalen Erregung eine wichtige Rolle.

Andreas Trogisch fotografiert seit über dreißig Jahren, ist dennoch kein Berufsfotograf im Sinne des Broterwerbs. Studieren wollte er Fotografie in Leipzig, aber die Umstände lenkten ihn zum Grafikdesign. Dennoch gehört das Bildermachen untrennbar zu seinem kreativen Horizont. Statt die Fotografie zu heiraten, blieb sie seine intime Freundin. Eine Beziehung ohne den Anspruch der Ausschließlichkeit, dafür voll positiver Spannung und des sich immer wieder neu definierenden Anspruchs.

Als Gesellschafter einer Agentur für intermediale Gestaltung ist Andreas Trogisch auch beruflich der Fotografie nicht fern, sie besetzt für ihn den Platz einer reizvollen Nebenbeschäftigung. «Ich bin sehr selten ohne irgendeine Kamera unterwegs» meint er erklärend, wenn man ihn fragt, wie die Menge nennenswerter Bildern zusammengekommen ist. Ohne den Druck, fotografieren zu müssen, flaniert er durch den Alltag, lässt sich von den oft skurrilen Situationen anregen und fotografiert dabei Momente, die nicht zwingend eine plakative Aussage transportieren. Obgleich es sich um reale, nicht manipulierte Situationen handelt, lassen sie sich nicht mit einem flüchtigen Blick vollständig erfassen. Dem grafisch geübten Auge sei Dank, besitzen die meisten Aufnahmen jedoch eine bemerkenswerte Präsenz, die fesselt und zum Hinsehen animiert.

In thematisch zusammengefügten Serien wie: «Wunder der Technik», «Magico», «Asphalt» oder «Von Ferne» erfüllt Trogisch einerseits die durch die Titel provozierte Erwartung, interpretiert diese jedoch – um beim Jazz zu bleiben – mit freien Improvisationen. Geht es, wie zum Beispiel in der hier vorgestellten Serie «Wunder der Technik», um technische Phänomene, macht uns Andreas Trogisch mit seinen Fotografien auf Dinge aufmerksam, die alles andere sind als hochgezüchtete Technik. Man staunt über das «Wunder» des Zufalls, über Konstellationen, die eher das technische Scheitern beschreiben. Dennoch können diese Objekte, auch durch ihre Einfachheit bedingt, faszinieren.

Obgleich Andreas Trogisch als akkurater Gestalter überzeugt, überlässt er bei der Aufnahme der jeweiligen Kamera einen Teil der kompositorischen Leistung. «Ich mag das Gefühl nicht, die Gestaltung der Aufnahme zu gut im Griff zu haben.» Deshalb ist es für ihn kein Problem, auch mit Sucherkameras zu arbeiten, in deren Sucher nicht alles unter seiner Kontrolle steht. So enthalten die Bilder gelegentlich akzeptierte Unschärfen oder andere kalkulierte Störungen.

Hinter der Gruppierung seiner Bilder zu Serien steckt weniger die Ordnungsliebe, als vielmehr eine Art Sinnsuche. Wie sind die Dinge, was stellen sie dar, welche Idee steckt in ihnen und wie wirken sie, aus dem eigentlichen Kontext herausgelöst, auf uns? Betrachtet man die einzelnen Bilder genauer, so ergeben sich Parallelitäten und visuelle wie inhaltliche Muster, die den Aufnahmen eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Mehrdimensionalität verleihen. Die Reduktion auf die Töne des Graukeils hilft dabei sehr, sich voll auf die Vielschichtigkeit der Bilder zu konzentrieren und dabei eigenen Assoziationen freien Lauf zu lassen. Andreas Tragisch hat keine Eile, er kann sich bei der Ausarbeitung und Gruppierung seiner Serien Zeit lassen. Lässt die Einzelbilder, an der Wand fixiert, lange auf sich wirken, um dann zu entscheiden, ob sie brauchbar sind oder nicht. Sucht nicht hastig nach neuen, ergänzenden Motiven, sondern lässt sich gerne vom Alltag überraschen. Lässt los, wenn andere viel leicht zugreifen würden.

Zugegeben, seine Fotografie ist ziemlich introvertiert, sie bejubelt das Leben nicht mit Zuversicht versprühenden Statements, hinterlässt sicher bei vielen Betrachtern ein gewisses Vakuum. Dennoch oder gerade deshalb sind dies Bilder, an die man sich erinnert.

D.B.