Das war’s dann …

Das Ende einer ganzen Kunstgattung, der Straßenfotografie, kam gerade  mit der Geschwindigkeit und Unabweisbarkeit einer Diesellok: Die (digitale) Fotografie von Menschen in der Öffentlichkeit wird in wenigen Tagen nicht mehr möglich sein ohne vorherige schriftliche Einwilligung der Abgebildeten. Das ist die für Fotografen wichtigste Auswirkung der neuen «Datenschutzgrundverordnung», die uns alle vor dem Mißbrauch unserer Daten schützen soll. Die Paranoia in Bezug auf das Fotografiertwerden, die in den letzten Jahren sowieso schon grassierte, erhält jetzt einen handfesten Hintergrund; mit Strafandrohung von bis zu 20 Millionen Euro.

Wahrscheinlich wird es aber nicht die Betreiber von Überwachungsanlagen – demnächst auch mit Gesichtserkennung – treffen, sondern irgendeinen ahnungslosen Amateur, der mit dieser Art Fotografie sein Geld verbraucht (denn verdienen ließ sich auf diese Weise wohl noch nie welches).

Die Auswirkungen des Gesetzes werden hier beschrieben, wo auch darauf hingewiesen wird, dass unsere Bundesregierung ausdrücklich nicht tätig werden wollte, um Rechtssicherheit zum Schutz der Meinungs- und Kunstfreiheit zu schaffen.

Update (8.5.2018): Wie der Berufsverband der Freien Fotografen und Filmgestalter (BFF) in einer Mitteilung schreibt, soll das sogenannte Kunstfreiheitsgesetz, das diesen Bereich bisher geregelt hat, weiterhin angewendet werden und nicht von der neuen Richtlinie verdrängt werden. Dazu zitiert die Verbandsjustiziarin eine Auskunft des Bundesheimatmuseums, pardon, des «Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat».

Photoshop-Hack

In Photoshop kann man Bilder als sogenannte Smartobjekte plazieren, so dass sie nicht-destruktiv bearbeitet werden können. Dazu werden diese Quellbilder bis Photoshop CS6 intern mit dem Hauptdokument gespeichert.

Das Problem: Nachdem man ein Bild als Smartobjekt plaziert und möglicherweise transformiert (gedreht, skaliert, verzerrt etc.) hat, kann man diese interne Kopie nicht durch eine neue, bessere Version ersetzen. Eine neue Version des Quellbildes muss man also neu importieren und alle Transformationen wiederholen – und die Ebene mit der Vorgängerversion löschen. Erst ab CC gibt es die tolle Möglichkeit, Dateien extern zu verlinken (wie z.B. bei InDesign). Wer aber wie ich aus Prinzip nicht zu CC wechseln will, hat das Problem, die als Smartobjekte plazierten Bilder nicht extern bearbeiten zu können: Man kann immer nur die intern gespeicherte Kopie der Ebene öffnen und bearbeiten. Nach dem Schließen wird die Ebene im Hauptdokument aktualisiert.

Hier setzt der Hack an. Wenn man das Smartobjekt zum Bearbeiten öffnet (Doppelklick auf die Smartobjekt-Ebene), dann wird es von Photoshop  als Datei in einem normalerweise unsichtbaren temporären Verzeichnis angelegt und sofort zum Bearbeiten geöffnet. Jetzt kann man sich diese Datei im Finder zeigen lassen (Kontextmenü-Klick auf den Dokumentennamen im Bearbeiten-Fenster -> im Finder zeigen). Das Bild  kann man sofort wieder schließen, da es ja nicht bearbeitet, sondern ersetzt werden soll. Jetzt kann man diese Datei im Finder durch eine andere mit dem gleichen Namen (und den gleichen Abmessungen) ersetzen; PS aktualisiert automatisch die Ebene im Hauptdokument und wird beim Beenden diese Version mit dem Hauptdokument speichern.

Das temporäre Verzeichis und die Dateien darin existieren – man ahnt es – nur solange Photoshop geöffnet ist. Bei der nächsten Session müsste man also den Weg erneut gehen.

Mich selbst verbessern

… muss ich, weil ich einen wichtigen Aspekt der Debatte um die Manipulationen – oder einfach Bearbeitungen – der Fotos von Steve McCurry in meinem letzten Post falsch verstanden habe.

Mein Vorschlag fügt einem seiner Bilder etwas hinzu, macht es also voller, reicher, widersprüchlicher und überraschender. Was McCurry aber macht, ist Bildelemente zu entfernen, die ihm störend oder ablenkend vorkommen. „Mich selbst verbessern“ weiterlesen

Steve McCurry verbessern

… zu wollen, scheint ja wirklich nicht möglich zu sein. Alles ist schon so bunt, so toll komponiert, so unwahrscheinlich, dass die paar kleinen Photoshoppereien kaum noch was bewirken. Die wirkliche Herausforderung besteht darin, wirkliche, essenzielle Steigerungen zu erfinden – deswegen rufe ich hiermit den «Steve McCurry Improvement Contest» aus. Preiswürdig ist allerdings nur, wer selber noch nie eins seiner Bilder in PS gepimpt hat. „Steve McCurry verbessern“ weiterlesen

Tote Bären schießen

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Ansel Adams: Clearing Winter Storm, Yosemite National Park, 1937

Der Weg von Ansel Adams zu Robert Adams ist zu vergleichen mit dem von Elvis Presley zu Elvis Costello. In einem frühen Stadium meiner (nicht sehr dramatischen) künstlerischen Entwicklung hegte ich eine gewisse Bewunderung für Ansel Adams, dem ich in technischer Hinsicht einiges verdanke. Leider verdanke ich ihm auch eine falsche Hochachtung vor dem Heroismus seiner Leistungen, wie ich 1999 auf einer Kalifornien-Rundreise feststellen mußte. Bis dahin dachte ich, dass man als Fotograf, wenigstens als Landschaftsfotograf, ein harter Bursche sein muß, dem es nichts ausmacht, im Winter schon bei Sonnenaufgang mit seiner tonnenschweren Kamera auf dem Berg zu stehen. „Tote Bären schießen“ weiterlesen

Ur-Bilder

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Hennigsdorf, 1986

Ich glaube, dass Künstler im allgemeinen immer eine Art «Urszene» (nicht zwingend im Freudschen Sinne) haben, an der sie sich zeitlebens abarbeiten.
Wenn ich mich auf die Suche nach den Ur-Bildern in meiner Biografie mache, dann sehe ich zweierlei: Das Grün der brandenburgischen Landschaft, alte Klinkergebäude unter Kastanien im Sommer, so wie Christa Wolf schreibt: grüngolden ist die Farbe der Erinnerung. „Ur-Bilder“ weiterlesen

Herzlichen Glückwunsch, Hannes!

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Hannes Wanderer neben einer Installation von Michael Wolf

Der 10. Geburtstag des Fotobuchverlags «Peperoni Books» von Hannes Wanderer wird im Forum für Fotografie Köln mit einer großen Präsentation gefeiert. Eine wohlverdiente Würdigung der hingebungsvollen Arbeit eines echten Maniacs, der, das kann man durchaus so behaupten, sein Leben vollständig in den Dienst des Fotobuchs gestellt hat.  „Herzlichen Glückwunsch, Hannes!“ weiterlesen

Vergangene Zukunft

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Dies ist genau das Buch, das ich machen wollte. Aber während ich mich noch über diese kühne Idee freute, machten Regula Bochsler und Philipp Sarasin schon Nägel mit Köpfen.
Sie zeigen unsere Welt gleichzeitig «hoch aufgelöst» und «in Auflösung begriffen» («high re:solution/dis:solution») (Bernd Stiegler). Dazu verwenden sie nicht ihre eigene Kamera, sondern die von Apple, so wie vor ihnen auch schon Michael Wolf Googles Street-View-Kameras benutzt hat, um seine «unfortuate events» zu finden. „Vergangene Zukunft“ weiterlesen

Rezension «Replies» in «Photonews»

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Andreas Trogisch stellt die Fotografie auf den Kopf. Seine überwiegend tiefschwarzen Bilder machen nicht nur deutlich, warum die monochrome Fotografie nie ganz aussterben darf, sie offenbaren zudem Erstaunliches. Trogisch rückt das sonst Tiefen und Schatten bildende Schwarz in den Vordergrund seiner Kompositionen. Die Schwarznuancen dominieren, als würden sie aus sich heraus strahlen. Es ist eine melancholische Welt, aus der Trogisch berichtet. Etwas morbide, alltagsfern, verwirrend und beunruhigend zugleich. Meditativ und voll von Energie, die fast jeder verspüren kann. „Rezension «Replies» in «Photonews»“ weiterlesen

Warum fotografieren?

Warum fotografieren? Warum nicht etwas anderes machen: malen beispielsweise? Warum fotografieren, wenn es keinen Auftraggeber und keinen Abnehmer für die Bilder gibt? Warum fotografieren, wenn anscheinend doch schon alles fotografiert ist? Wenn eine Bilddatenbank damit wirbt, dass sie 10 000 neue Bilder hat – und zwar täglich – das Stück zu 21 Cent? „Warum fotografieren?“ weiterlesen