Bilder

85-137_13_6x7_1200

Vineta (1985/1990)
… besteht aus zwei Serien von Bildern aus der untergehenden DDR: Porträts aus dem Jahr 1985 und Stadtlandschaften aus dem Sommer 1990, der anarchischen Agonie zwischen Volkskammerwahl und Währungsunion.
«Vineta, das war eine Art Ost-Atlantis. In den Polytechnischen Oberschulen der DDR kannte jedes Kind die Sage von der Stadt, die in der Ostsee untergegangen war. Die untergehen musste. Denn Vinetas Bewohner waren undankbar gewesen. Sie wussten nicht zu schätzen, was sie hatten. Selbst eine letzte dringende Warnung vor ihrem eigenen Ende schlugen die Vineter in den kühlen Ostseewind. Am Ende riss eine Sturmflut die Stadt mit Mann und Maus hinab auf den Meeresgrund. Bis heute meinen Spökenkieker, Vineta tief unten am Grund schauen, die Schläge der goldenen Kirchenglocken aus dem Wellenrauschen heraushören zu können. […] Die Vineter missachteten, was sie hatten. Nicht ihre Schuld. Schuld war das große Fremdgewordensein mit dem eigenen Land. Schuld war die kleine innere Freiheit, die jeder sich abgesteckt hatte wie ein Gärtchen. Eine Freiheit, die mehr galt als ein gültiger Pass. Ein Verbundensein unter den Hiergebliebenen, ein Loslassen der Flüchtenden, ein Sehnen nach dem Anderen, von dem man doch nicht so recht wusste, was das sein soll.»
(Aus dem Begleittext von Anja Maier)

 


Runway/Signs (2011–)
Das Fotoprojekt «Runway» knüpft an die Serien «Asphalt» und «Technik» aus der Desiderata-Reihe an.
An «Asphalt» offensichtlich aus motivischen Gründen, aber in einer anderen, ‹sachlichen› Sichtweise, ohne eine den Gegenstand kommentierenden Veränderung durch Licht und Schatten, Feuchtigkeit, Perspektive. Mit «Technik» hat das Projekt gemeinsam, dass es die Veränderung von Stofflichem durch den Menschen untersucht. Es handelt sich dabei um Veränderungen, die ein Funktionieren in einer bestimmten Absicht bezwecken, aber sich dabei immer der offensichtlichen Übermacht der inner- und außermenschlichen Natur zu erwehren haben: dem Versagen, dem Verfall, der Eigenmächtigkeit der Materie in Form von Gravitation, Korrosion oder Erosion. Dasunerreichte Vorbild in diesem Sinne ist ein anonymes Foto in der surrealistischen Zeitschrift «Minotaure» von 1937. Es zeigt eine von Pflanzen überwucherte Lokomotive, die mit letzter Kraft gerade dem Dschungel entflohen zu sein scheint, aber immer noch mit ihm verschlungen ist, so daß sie keinen Zentimeter mehr vorankommt und rostend darauf wartet, daß der Wald sie endlich doch verschlingen wird. André Breton kommentierte dieses Bild als «Dokument des Triumphes und der Kata­strophe zugleich».

Was eigentlich rein weiße, scharf und gerade begrenzte Fläche sein sollte, erscheint in Wirklichkeit als zerklüftete, dramatische Mikrolandschaft, die man in Bildform geradezu musikalisch lesen kann.
Schon im Ansatz leicht verfehlt – selbst die äußerst primitive Konstruktion wird auf dem Asphalt nicht genau umgesetzt – ist das weitere Schicksal dieser Zeichen ungewiss, ebenso wie ihre Herkunft: es lässt sich nämlich selbst mit hartnäckigster Recherche im Dunkel der verschiedenen Zuständigkeits- und Eigentümerwechsel nicht mehr ermitteln, welche Firma sie wann hergestellt hat. Zudem tragen die Landebahnen, da sie ja nicht mehr angeflogen werden dürfen, riesige Kreuze, sogenannte «Schließungsmarkierungen», die allerdings schneller verwittern als das, was sie außer Kraft setzen sollen. (Aus dem Beileger zum Buch «Runway»)

Runway: Centre Line (2011–2014)
Das erste Bild der Serie ist eine der 30m langen Mittellinien (Centre Line). Es ist 2015 in Form eines Buches erschienen, das schon vor Erscheinen sensible Beobachter zu begeisterten Rezensionen inspiriert hat.

 


Replies (1982–)
«Replies» ist eine große Bestandsaufnahme der bis zum Erscheinen des gleichnamigen Buchs 2014 entstandenen Bilder, die sich nicht unter einer klar definierten thematischen Klammer fassen lassen, sondern eher um ein virtuelles Zentrum kreisen, das ich bis heute noch nicht genau definieren kann. Das Unterteilen der Bilder in «Konversationen» ermöglichte es, die Menge der Bilder zu beherrschen: Wie in einem Tischgespräch kreisen sie eine Weile um ein Themenfeld, um sich dann dem nächsten, assoziativ verbundenen zuzuwenden. Diese Bildfolgen sind in der hier vorgestellten Auswahl und Reihenfolge im Buch erschienen; die Serie wächst aber weiter wie ein schwarz-weißes Korallenriff.

 


86-20_68

Von Ferne (1982–1989)
Bilder von vor der Neuzeit: Fußreisen, die nicht weiter als bis zur Mauer gehen konnten, Zeitreisen, die kein Ende kannten.

 


Asphalt (2007–2011)
Der Default für den menschlichen Blick ist: nach unten. Und zwar nicht aus Demut, sondern weil der Mensch mal ein Jäger und Sammler war. Und weil er so besser das Hinfallen verhindert. Der Boden in meiner natürlichen Umgebung ist aus Asphalt.

 


Magico (1991–2009)
… Tatsächlich haben die Fotografien in „Magico“ eine magische Aura, sie erscheinen mysteriös und zugleich poetisch. Wie in der ersten Fotomappe „Von Ferne“ kreiert Andreas Trogisch autonome Bilder von enormer visueller Kraft. Ich sehe Rätsel, die ich vielleicht gar nicht lösen will. Die Bilder aber behalten ihre Gültigkeit. (Aus dem Verlagstext zur Fotomappe «Magico»)

 


Technik (1991–2009)
«Technik» versucht, eine Betrachtung über die Teile unserer Dingwelt anzustellen, die zum Erfüllen von vernünftigen Zwecken hergestellt werden, und in denen sich doch immer wieder auch das Scheitern ausdrückt: an menschlicher Unfähigkeit, Schwerkraft, Korrosion – oder deren vernünftiger Zweck hinter dem Aufwand verschwindet und stattdessen eine überraschende Poesie hervortreten läßt.

 


Aphasia (2012–2014)
‹Aphasie›  ist eine neurologische Störung, bei der die Patienten die lexikalische Bedeutung der Sprache nicht mehr erfassen können, wohl aber ihren emotionalen Gehalt. Sie können aus Mimik und Tonfall des Sprechers den Wahrheitsgehalt des Gesagten erraten – ohne sagen zu können, worum es eigentlich geht.
In meiner fotografischen Arbeit interessiert mich schon immer die Diskrepanz zwischen der gegenständlichen, «richtigen» Bedeutung von Gegenständen und ihrer visuellen Erscheinung. Seit ich eine digitale Lochkamera verwende, habe ich eine Möglichkeit gefunden, die Erscheinung noch weiter zu vereinfachen und dadurch diese Spannung deutlicher sichtbar zu machen.
Ich versuche, nicht zu sagen: «So ist es», sondern: «Das ist ein Bild, das von etwas verursacht wurde, das für eine kurzen Moment so aussah, dass es mich an etwas erinnerte».
«Aphasia» ist als 2015 als Buch erschienen.

 


在春天的第一道阳光下 (2012)
‹在春天的第一道阳光下› heißt ‹In der ersten Frühlingssonne›. März 2012 in der Provinz Zhejiang: Der Winter ist immer noch nicht zu Ende, ich bin schon vier Wochen hier und es hört nicht auf zu regnen. Alles ist nass, kalt und grau. Die öffentlichen Gebäude werden nicht mehr geheizt, weil es draussen wärmer als 5 Grad ist – leider nur ganz wenig wärmer. Die Leute fangen an, depressiv zu werden. Die erste Ernte des Longjing-Tees vor dem Totenfest, die die zartesten und teuersten Blätter liefert, dauert in diesem Jahr nur eine Woche. Plötzlich kommt die Sonne heraus und alles ist verwandelt.

 


Prospects (2014–)
‹Prospects› beschäftigt sich mit der Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt – sei es die von ihm gebaute oder die natürliche. Die Arbeit ist nicht abgeschlossen (das Anthropozän hat ja gerade erst angefangen). Teile der Serie sind in der Ausstellung «Bis jetzt» 2016 in Köln zu sehen gewesen.

 


Weitere Serien:

Desiderata (1982–2011)

Is-real (2007–2014)


Kläden, Altmark (2005–2015)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.